In einer NLP-Ausbildung (Neurolinguistisches Programmieren) werden vielfältige Techniken im Bereich von Training, Coaching und Psychotherapie trainiert. Ein großer Teil dieser NLP-Werkzeuge/NLP-Formate hat das Ziel, emotionale Prozesse zu steuern so wie imaginativ mentale Prozesse zur Verhaltensänderung anzustoßen.
In diesem Artikel soll der Fokus speziell auf den Bereich des NLP
gelenkt werden, der sich mit den Sleight of Mouth Sprachmustern
beschäftigt, die im Wesentlichen für Reframing-Prozesse bei der
Umwandlung von negativen Glaubenssätzen genutzt werden.
In der amerikanischen Sprache gibt es den Ausdruck "Sleigth of Hand",
der meint eine artistische Geschicklichkeit, z.B. beim Jonglieren.
Sleigth of Mouth bedeutet demnach eine artistische Geschicklichkeit im
Umgang mit der Sprache. Bei einigen NLP-Autoren werden diese
Sprachmuster neben dem Meta-Modell und dem Milton-Modell eingeordnet.
Sleight of Mouth Pattern sind Sprachmuster, die speziell bei der
Veränderung von Glaubenssätzen werden können. Es besteht eine starke
Ähnlichkeit zur Vorgehensweise des Sokratischen Dialogs in der
kognitiven Verhaltenstherapie.
Menschen schaffen sich während der Verteidigung ihrer Glaubenssätze so
viel Rechtfertigungsmuster, dass sie sozusagen aus ihrer eigenen
Rechtfertigung keinen Ausweg mehr finden. Deshalb ist es auch oft
nahezu unmöglich einen Glaubenssatz mit Argumenten auszuhebeln, da die
Betroffenen sich ständig eigene, neue Hilfskonstruktionen und
raffiniertere Argumentationen für die Beibehaltung des Glaubenssatzes
schaffen (Begründungssemantik).
Die Lösung ist deshalb nicht, rechthaberisch gegen den Glaubenssatz
vorzugehen, sondern es geht darum, neue Möglichkeiten in das System
einzuführen, und es so für eine Erweiterung und eine evtl. nachfolgende
Veränderung offen zu halten, bzw. es erst offen zu machen. Die Sleight
of Mouth Pattern können in diesem Sinne benutzt werden, um dem
Gesprächspartner zu helfen, seine ungeprüften Vorannahmen genauer zu
überprüfen, die Tilgungen und Generalisierungen kritisch zu
reflektieren bzw. die Richtigkeit der behaupteten Allgemeingültigkeit
des Glaubenssatzes näher unter die Lupe zu nehmen. Allein dadurch
verliert der Glaube sehr viel von seiner einengenden Kraft und es
entstehen neue Perspektiven und Möglichkeiten.
Menschen geraten in Sackgassen, wenn sie bestimmte Dinge
gewohnheitsmäßig immer wieder auf die gleiche Weise denken und tun; je
vertrauter eine Situation ist, desto schwieriger wird es, sie ganz
unbefangen zu betrachten.
Es geht bei den Umdeutungsversuchen mit Sleight of Mouth Mustern darum,
Argumente einzuführen/einzubringen, die man bisher überhaupt noch nie
in Erwägung gezogen hat. Eine kreative Lösung kann überhaupt erst
gefunden werden, wenn die Elemente für diese Lösung neu arrangiert
worden sind, so dass mehr und neue Möglichkeiten in Betracht kommen.
Und genau dafür eignen sich die Sleight of Mouth Sprachmuster besonders
gut.
Genauso wenig, wie wir gegen den vorgebrachten Glaubenssatz
argumentieren, so versuchen wir den Grund dafür zu erfahren. Hierzu
müssten wir die Frage "warum" stellen. Darauf hin würde der Gegenüber
mit dem Glaubenssatz: "Weil das so ist" antworten. Wenn wir weiter
fragen, warum er das den glaubt, würden wir eine endlose
Begründungskette provozieren, ohne auch nur den geringsten Fortschritt
zu erzielen.
Anwendung der Sleight of Mouth Pattern
1. Wir finden eine Argumentationsidee ( Ziel-Hypothese).
Diese zu
finden fällt uns um so leichter, je mehr wir über das Weltmodell der
anderen Person wissen, die diesen Glaubenssatz vorbringt. Bei Menschen,
denen wir neu begegnen, sind wir auf unsere Intuition oder das
Experimentieren angewiesen, wobei wir die Reaktion des Gegenüber
bereits wieder als eine Erkenntnis über sein Weltmodell und eine
Verbesserung unserer Möglichkeiten verwenden können, unsere nächste
Argumentation bereits zu verbessern. Pacing und ein guter Rapport sind
die Grundvoraussetzung für ein gutes und wirkungsvolles Arbeiten mit
diesem Sprachmodell.
2. Kriterien über die Nützlichkeit von Zwischenschritten.
Einen
Zwischenschritt sollten wir in jedem Fall vermeiden, nämlich den andern
Menschen tiefer in sein Problem zu führen.
Gute Zwischenschritte könnten sein: Fragen oder Beispiele, die
Verwirrung stiften. Der Zustand von Verwirrung ist eine sehr gute
Möglichkeit, jemanden aus einer Starrheit, die mit einem lang
vorhandenen Glaubenssatz einhergeht, herauszuführen, denn Verwirrung
ist ein Zustand, in dem erste Zweifel wach werden können.
Ein weiterer Zwischenschritt ist, den Gegenüber in eine stärkere Wahrnehmung der Welt um ihn herum hineinzuführen.
Ein weiterer Zwischenschritt sind Fragen, die auf Anhieb nicht
beantwortet werden können und ein längeres Nachdenken erfordern in
dessen Verlauf möglichst viele unterschiedliche Positionen eingenommen
werden müssen.
Das Vorhergesagte gilt im Wesentlichen für alle Arten von
Glaubenssätzen. Sleight of Mouth Sprachmuster sind besonders wirksam
bei Glaubenssätzen, die sich auf komplexe Äquivalenzen und auf
Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen beziehen.
Die einzelnen Sleight of Mouth Muster:
Die Anwendung der Sleight of Mouth Sprachmuster werden in dem folgenden Beispiel angewendet auf die komplexe Äquivalenz "Wenn Du gemeine Sachen sagst, bist Du ein gemeiner Mensch."
1. Umdefinieren
Ersetze ein Wort aus dem Glaubenssatz durch ein neues Wort mit
ähnlicher Bedeutung aber unterschiedlichen Implikationen. Das neue Wort
lässt andere Folgerungen und Bewertungen zu.
Suchmechanismus: Welche andere Bedeutung könnte diese Äquivalenz haben?
Beispielaussage: "Manchmal sind Menschen nicht gemein, sondern nur ehrlich.
2. Folge
Richte die Aufmerksamkeit auf eine Auswirkung des Glaubenssatzes
(positiv oder negativ) oder die Beziehung, die durch den Glaubenssatz
definiert wird.
Menschen denken normalerweise nicht über die letzten Konsequenzen ihrer
Glaubenssätze nach. Ein Hinweis darauf kann deshalb manchmal
dramatische Auswirkungen haben.
Suchmechanismus: Was wird (mit ihr/ihm) geschehen, wenn sie/er fortfährt, das zu glauben?
Beispielfrage: "Was würde geschehen, wenn sich herausstellt, dass dieser Glaube von Dir selbst ganz schön gemein ist."
3. Absicht
Die Aufmerksamkeit wird auf die (positive oder negative) Absicht des
Glaubenssatzes gelenkt. Welche Aufgabe hat dieser Glaubenssatz. Hier
gilt der NLP Grundsatz, dass jedes Verhalten die für diese Person
derzeit beste Möglichkeit ist. Die Frage richtet sich auf das
Meta-Ziel, das hinter diesem Glaubenssatz steht.
Suchmechanismus: Warum sagt sie/er das? Was ist der sekundäre Gewinn? Was versucht sie/er zu erreichen oder zu bekommen?
Beispielfrage: " Du sagst das, weil Du möchtest, dass Menschen respektvoller miteinander umgehen?"
4. Chunking up
Generalisiere ein Element des Glaubenssatzes auf einen größeren Rahmen
hin, der die durch den Glaubenssatz definierte Beziehung ändert. Durch
die Generalisierung werden die Zusammenhänge relativiert. Diese höhere
Stufe der Verallgemeinerung enthält die vorherige als nur ein Teil,
vielleicht sogar als Ausnahme, wie sich dann herausstellen kann.
Suchmechanismus: Für welchen Zweck? Was ist daran wichtig?
Beispielfrage: "Woher weißt Du, dass jeder, der gemeine Sachen sagt, automatisch ein schlechter Mensch ist?"
5. Chunking down
Ein Element des Glaubenssatzes wird in Teile aufgelöst, die klein genug
sind, dass sich die durch den Glaubenssatz behauptete Beziehung ändert.
Durch Konkretisieren und konsequentes Weiterdenken von Einzelheiten und
Elementen des Glaubenssatzes verändert sich die Aussage, es treten andere Relationen und Bewertungen ein.
Suchmechanismus: Wie kann ich die Aussage in Teilaspekte zerlegen?
Beispielfrage: "Was genau ist für Dich "gemein"? Sind es die Worte, ist es die Betonung oder ist es die Lautstärke?"
6. Gegenbeispiel
Finde ein Gegenbeispiel, das nicht in den durch den Beispiel-Glaubenssatz definierten Zusammenhang passt.
Gegenbeispiele dienen dazu, den Glaubenssatz zu erschüttern. Je näher
die Beispiele an dem Weltmodell der Person sind, die den Glaubenssatz
hat, umso stärker ist ihre Wirkung. Am besten sind Beispiele aus der
eigenen Vergangenheit des Gegenübers.
Suchmechanismus: Wie kann ich den Glaubenssatz umdrehen? Z.B. Gab es eine Zeit, in der die Äquivalenz nicht galt?
Beispielaussage: "Es gab doch sicher in Deiner Vergangenheit schon
einmal die Erkenntnis, dass eine zuerst als gemein empfundene Aussage
sich nachträglich als hilfreich und wahr erwiesen hat."
7. Anderes Ziel / Ergebnis
Bezweifle die Relevanz des Glaubenssatzes und wechsle zu einem anderen
Thema, das zwar einen Bezug zu dem ersten hat, aber den Zusammenhang
des Glaubenssatzes nicht mehr beinhaltet. Hier wird die Aufmerksamkeit
auf ein anderes Ziel gerichtet, anstatt auf den
Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Suchmechanismus: Was wäre ein anderes Ziel, auf das ich die
Aufmerksamkeit lenken könnte? Es geht weder um gemeine Dinge, noch um
gemeine Menschen, sondern ............
Beispielaussage: "Ich sage das nur, um Dir Feedback zu geben, damit Du Dich verbessern kannst."
8. Analogie
Erzähle eine Metapher, eine Analogie, mit anderem Ausgang, mit anderer
Konsequenz. Die Metapher setzt eine strukturelle Beziehung der Elemente
und der beiden Sachverhalte voraus.
Suchmechanismus: Welcher Zusammenhang kommt noch in Frage?
Beispielaussage: "Dann könntest Du auch behaupten, nur weil jemand mal ärgerlich ist, dass er ein aggressiver Mensch ist.“
9. Anwendung auf Selbst
Das Verhalten des Sprechers, der den Glaubenssatz prägt, und seine Aussagen werden auf ihn selbst angewandt.
Suchmechanismus: Wie kann ich das Kriteriums-Wort je eines Teils des Glaubenssatzes auf einen Teil oder auch auf beide anwenden?
Beispielaussagen:
Teil A: " Heißt das, dass Du aus einer einzigen Aussage auf die ganze Persönlichkeit eines anderen Menschen schließt?"
Teil B: "Nur schlechte Menschen halten andere für gemein."
10. Kriterien-Hierarchie
Wir versuchen herauszufinden, welches Kriterium, welcher Wert, von dem
Gegenüber angesprochen wird und versuchen dies in Bezug zu einem höher
bewerteten Kriterium zu setzen. Der Blick des anderen wird damit auf
eine andere Äquivalenz gerichtet, mit größerer Bedeutung und
Intensität. Diese größere Intensität sollte die Energie der vorherigen
Äquivalenz auflösen.
Suchmechanismus: Was wären höhere Kriterien. Wie kann ich eines davon auf den Glaubenssatz anwenden?
Beispielaussage: "Ist es nicht wichtiger, offen (ehrlich, deutlich,
etc.) zu sein, als einem anderen Menschen immer nur Nettigkeiten zu
sagen?"
11. Andere Rahmengröße
Bewerte die Aussage des Glaubenssatzes neu im Zusammenhang mit variierenden Zeitbezügen, Einzelaspekten und Kontexten.
Suchmechanismus: Wie kann man das von einem andern Zeitpunkt aus betrachten. Ist gleiches Verhalten in anderem Kontext sinnvoll?
a) Der Glaubenssatz wird auf einen längeren oder kürzeren Zeitrahmen
bezogen. Die Aussage eines Glaubenssatzes hat oft den Anspruch
zeitloser Gültigkeit. Die Veränderung des zeitlichen Rahmens besagt,
dass dies zwar jetzt so sein oder scheinen mag, dass es aber zu einem
anderen Zeitpunkt ganz anders beurteilt werden kann.
Beispielaussage: "Das ist vielleicht jetzt unangenehm zu hören, aber in
einem Jahr wirst Du zurückblicken und froh sein, dass Dir jemand ein
solches Feedback gegeben hat."
b) Universalquantifikator oder Einzelbezug. Der Glaubenssatz wird
entweder übergeneralisiert auf alle möglichen Menschen oder auf eine
einzelne Person, was ihn beides unglaubwürdig erscheinen lassen kann.
Beispielaussage: "Jeder Mensch hat irgendwann schon einmal etwas
gesagt, was irgend jemand anderes als gemein empfunden hat. Heißt das,
dass jeder Mensch gemein ist?"
c) Kontext
Dieses Muster versucht, den Glaubenssatz zu unterminieren, indem er in
einen anderen Kontext gestellt wird, in dem seine Aussage nicht mehr
stimmt.
Beispielfrage: „Wäre es gemein, wenn in einem Feedbackgespräch auch kritische Punkte angesprochen werden?“
12. Metarahmen
Der Glaubenssatz wird in den Rahmen eines größeren Glaubenssatzes,
einer Lebenseinstellung, gesetzt. (Hochchunken in größeren Kontext,
größeren Bedeutungsrahmen).
Suchmechanismus: Welchen höheren Bezugsrahmen akzeptiert der Gegenüber?
Beispielaussage: "Das alles ist doch nur ein Versuch, Dir eine Rückmeldung zu geben."
13. Modell der Welt
Bewerte den Glaubenssatz neu, aus einem anderen Modell der Welt heraus
(andere Landkarte). Hier geht es darum, dem Sprecher bewusst zu machen,
dass seine Aussage zwar in seinem Modell der Welt sinnvoll sein mag,
dass es aber andere Modelle gibt, in denen diese Aussage keinen Bestand
hat.
Suchmechanismus: Ist das in jedermanns Modell der Welt wahr? Welche Modelle mit anderen Aussagen sind denkbar?
Beispielaussage: "Das mag für Dich so sein, ich erlebe es ganz anders. Für mich ist gemein, wenn........."
14. Realitätsstrategie
Durch Fragen aus dem Meta-Modell der Sprache wird das Bild von der
Realität neu überprüft. Wir hinterfragen den Wahrnehmungsprozess, der
der Aussage zugrunde liegt. (Schritte zur Tiefenstruktur).
Suchmechanismus: Wie stellt sich in der Realität das Phänomen anders dar?
Beispiel: "Gehört zu Gemeinsein nicht mehr als das?"
Aus dieser Auswahl an verschiedenen Interventionsfragen des Sleight of
Mouth-Modells werden nicht immer alle Möglichkeiten bzw. manche mehr oder
weniger im Einzelfall passen. Es ist daher wichtig die Frage zu
favorisieren, die am besten auf die Denkstruktur (das Weltmodell) des
Gegenüber passt und aufgrund der neuen Perspektive im jeweiligen Fall
die größte/stärkste Veränderungskraft haben kann.
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